27. April 2017

Nachbetrachtung zum Internationalen Frauentag – die Frau bleibt ein Mensch zweiter Klasse

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Und sie nimmt zu. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nahezu 40% der Frauen in Deutschland sind Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Das eigene Zuhause ist für viele Frauen ein Ort des Schreckens, denn die meiste Gewalt gegen Frauen geht immer noch vom Partner oder Ex-Partner aus.

Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, denn viele Frauen werden gar nicht erfasst. Sie schweigen aus Angst oder Scham.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Frau nach wie vor weder gleiche Bezahlung, noch gleiche Rechte hat und schon gar nicht als eigenständiger Mensch in einer Partnerschaft gesehen wird.

Die Rechtlosigkeit der Frau spiegelt sich auch in der Gesetzgebung wieder. Die Strafen für sexuelle oder körperliche Gewalt sind meist nicht höher als bei Eigentumsdelikten. Die Vorstellung, die Frau habe ihre Lage selbst verschuldet und verdient, ist im Bewusstsein der Gesellschaft fest verankert.

Dass Frauen sich in ihr Schicksal zu fügen haben, spiegelt sich auch bei den Hilfsangeboten für misshandelte Frauen wider.
Die dramatische Entwicklung bei den Frauenhäusern spricht hier eine klare Sprache und ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Seit Jahren sind die Frauenhäuser unterfinanziert. Das Platz- und Personalangebot reicht bei weitem nicht mehr aus, um Frauen Schutz und Hilfe anzubieten.

Die Finanzierung der Frauenhäuser ist vorrangig eine Aufgabe der Kommunen im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge. Landkreise und kreisfreie Städte tragen Personal-, Sach- und Verwaltungskosten. Das ZBFS leistet zusätzlich einen Beitrag zu den Personalkosten. Bayern müsste ein adäquates Hilfs- und Beratungsangebot sicherstellen. Das findet aber nicht statt.

Immer öfter müssen Frauen, die vor Gewalt fliehen, abgewiesen werden. Einer Studie der Uni Erlangen-Nürnberg zufolge passiert das sogar jeder zweiten Frau in Not.
Bayern, in der das Familienbild noch immer einer mittelalterlichen Vorstellung entspricht, liegt an vorletzter Stelle:
38 Frauenhäuser mit 340 Plätzen werden in Bayern staatlich gefördert. Auf 10.000 Frauen kommt so ein Platz. Im Klartext: Es gibt oft gar keinen Platz für Opfer, in ganz Bayern nicht. Obwohl die Frauenhäuser immer lauter um Hilfe bitten und den Notstand ausrufen müssen, finden sie bei der Landesregierung kein Gehör.
Gleiches gilt für Beratungsstellen. Auch hier hält man es wohl für Geldverschwendung, Frauen in Not zu helfen.

Die Folgen sind fatal. Frauen, die zu Hause Gewalt ausgesetzt sind, müssen dies erdulden. Sie haben keine Chance, sich oder ihre Kinder zu schützen.

Und selbst wenn sie einen Platz im Frauenhaus haben, sind ihre Zukunftsaussichten düster. Während der Täter die Wohnung behält, seinen Arbeitsplatz und sein soziales Umfeld, verliert die Frau alles.

Arbeitsplätze sind rar, Wohnungen mittlerweile unbezahlbar und Kindergartenplätze schwer zu kriegen. Endstation Frauenhaus, ohne Perspektive, ohne Zukunft. Ohne zu wissen, ab wann ein normales Leben wieder möglich ist.
Dies hat dazu geführt, dass immer mehr Frauen, auch mit ihren Kindern, zurück zu ihrem gewalttätigen Partner gehen, weil sie keinerlei Zukunftsperspektiven haben. Frauen, die zu ihrem Peiniger zurückkehren müssen, haben aufgegeben.

Eine Gesellschaft, die dies zulässt, nimmt die psychische Vernichtung der Frauen billigend in Kauf. Sie verhält sich noch grausamer der Frau gegenüber als der gewalttätige Partner.

Die Partei die LINKE fordert die Landesregierung daher auf, diesen Missstand umgehend zu beenden.

  • -  Frauenhäuser müssen mit genug Geld und Fachpersonal ausgestattet werden.

  • -  Wer schlägt, der geht! Das heisst, dass die Frauen zu Hause bleiben können und der gewalttätige Partner Hausverbot erhält.

  • -  Frauen und ihren Kindern muss Sicherheit und Schutz vor häuslicher Gewalt gegeben werden um ihnen ein Leben ohne Gewalt zu ermöglichen, d.h. sichere Unterkunft, Rechtsbeistand, und soziale Unterstützungsangebote

  • -  männliche Gewalt darf in der Gesellschaft nicht länger toleriert werden

  • -  Die Täter müssen konsequent juristisch zur Verantwortung gezogen werden

Eine Gesellschaft, die bei Gewalt gegen Frauen und Kindern wegsieht, handelt verantwortungslos. Solange die Rechte der Frauen nur auf dem Papier stehen, sind sie wertlos.

Beate Jenkner Bezirksrätin die LINKE