Hanna Wanke legt den Fokus auf Umverteilung

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Benedikt Schneider

Die Linke stellt in ihrem Wahlkampf die Gerechtigkeit ins Zentrum. Was umfasst dieser Begriff für Sie?
Wanke: Wir stellen fest, dass Beschäftigte nicht mehr das bekommen, was ihnen zusteht. Sie arbeiten hart und schaffen Wohlstand, werden dafür aber nicht ausreichend entlohnt. Gleichzeitig steigen Mieten und Preise so stark, dass ein würdiges Leben nicht mehr möglich ist. Da wollen wir gegensteuern.

Lohnproblematik als großes Thema

Wie soll das konkret aussehen?
Wanke: Der Fokus liegt klar auf Umverteilung. Und zwar von Superreichen und Großkonzernen, die selbst in Krisen profitieren, zu Menschen, die täglich in die Arbeit gehen und besser bezahlt werden müssen. Auch in Bayern ist die Lohnproblematik ein großes Thema, etwa ist Altersarmut ist ein riesiges Problem, was auch auf zu niedrigen Löhnen beispielsweise in dem Gesundheitssektor oder der Pflege beruht. Das müssen wir dringend angehen

Nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht hat ihre Partei ihr prominentestes Gesicht verloren. Mit ihr ist aber auch eine Unruhestifterin gegangen. Wie wirkt sich der Austritt auf die Arbeit in der Partei aus und was bedeutet das für das angestrebte Ergebnis bei der Europawahl?
Wanke: Nachdem sich die Konflikte vor allem auf Bundesebene abgespielt haben, hat Sahra Wagenknechts Austritt vor Ort für die Arbeit in den Kreisverbänden oft wenig Auswirkungen. Auch die Parteiaustritte waren in Summe extrem gering. Bei der Europawahl gibt es jetzt natürlich eine weitere Partei, die zur Auswahl steht. Weil wir uns vor allem an die arbeitende Bevölkerung richten, das Bündnis Sahra Wagenknecht aber eher wirtschaftskonservative und -liberale Standpunkte vertritt, denke ich, dass ihre Wähler aus einem anderen Spektrum kommen.

Perspektiven aufzeigen

Der AfD in Deutschland wie auch den übrigen rechten Parteien Europas wird ein starkes Ergebnis vorhergesagt. Wie groß ist Ihre Sorge diesbezüglich?
Wanke: Das macht mir natürlich Sorgen. Die Prognosen beziehen sich auf die Europawahl, aber der Trend lässt sich seit Jahren beobachten und das nicht nur in Deutschland. Die entscheidende Frage ist aber, wie wir darauf reagieren. Es braucht Angebote für die Menschen, die sich aus falschen Gründen heraus der AfD zuwenden. Man muss ihnen Perspektiven aufzeigen. Und da haben wir richtige und wichtige Vorschläge.

Auf einem ihrer Wahlplakate steht: „In Frieden investieren, nicht in Waffen“. Wie stehen Sie zu einem europäischen Verteidigungskommissar und europäischen Rüstungsprojekten?
Wanke: Ich werte das als hoch bedenklich. Die Welt hat viel zu viel Geld in Aufrüstung gesteckt. Das fehlt uns jetzt nicht nur im sozialen Bereich, es führt auch dazu, dass mehr Kriege ausbrechen und immer tödlicher werden. Aktuell sterben so viele Menschen, die mit ihrem Leben eigentlich etwas ganz anderes vorgehabt hätten. Diesem Trend müssen wir unbedingt entgegenwirken, um zu einer friedlicheren Welt zu kommen. Deshalb sind wir klar gegen einen Verteidigungskommissar und weitere Rüstungsprojekte.

Frieden gelingt nur mit Abrüstung

Wenn über Krieg und Frieden gesprochen wird, kann Russland derzeit nicht außen vor gelassen werden. Wie sollte sich die EU gegenüber Putin positionieren?
Wanke: Zuerst muss klar gesagt werden, dass dieser Krieg zu verurteilen ist. Aus diesem Grund muss das Töten sofort beendet werden und Friedens- und Verhandlungsperspektiven eröffnet werden. Wir müssen einen Weg in eine Weltordnung finden, in der Länder nicht ausgegrenzt werden, sondern einbezogen. In der sich nicht wegen Territorien bekriegt wird, sondern zusammengearbeitet wird. Derzeit definieren sich Länder durch ihre Konkurrenz zu anderen. Ein dauerhafter Frieden kann so nicht gelingen. Das geht nur mit globaler, auch atomarer, Abrüstung.

Für welche weiteren Themen möchten Sie sich im Europaparlament einsetzen?
Wanke: Ein großes Anliegen ist mir der Bildungsbereich. Auch in Deutschland fallen Kinder durchs Raster, die viel Potenzial haben. Da kann man gerade in Europa viel von anderen Staaten lernen.

Zur Person

Hanna Wanke ist 22 Jahre alt und lebt in Erlangen. Dort studiert sie derzeit Soziologie und Geschichte im Bachelor und arbeitet nebenbei in der Mittagsbetreuung einer Grundschule und als studentische Hilfskraft. Sie ist ledig und hat keine Kinder. Für die Linke steht sie auf Platz elf der Bundesliste. Angeführt wird diese von Martin Schirdewan, Carola Rackete und Özlem Alev Demirel-Böhlke.